das begeistert Groß und Klein

 

Ragnars Reise

 

ein Kinderbuch für die ganze Familie



 Vor vielen Jahren gab es eine weit entfernte Stadt. Es hieß, sie sei aus Gold und Silber und dort herrsche ein Kaiser, großzügig wie sonst keiner.

Meine Eltern zog es in dieses sagenumwobene Land, während ich mich lieber in andere Abenteuer stürzte. Als ich aber zu einem jungen Mann herangereift war, eine bewundernswerte Frau kennengelernt und treue Freunde gefunden hatte, war es an der Zeit, meinen Eltern zu folgen. Wir Gefährten machten uns auf die lange Reise in unbekannte Welten voller Gefahren. Zum Glück begleitete uns ein Zauberrabe. Willst Du wissen, wie uns mein Rabe vor wilden Wikingern, vor tobenden Wasserfällen und vor fremdartigen Reiterkriegern warnte und beschützte? Dann begleite uns auf die Suche nach meinen Eltern und auf die Suche nach der Stadt aus Gold und Silber. 

Ragnars Reise... 

...ist das Kinderbuch zum historischen Wikingerroman "Das Schicksal der Götter".

Die schöne Geschichte des Hauptromans wurde auf ein kindgerechtes Maß komprimiert und umgeschrieben, so dass auch die ganz Kleinen Spaß dabei haben werden und etwas über das Leben der Wikinger lernen können. Kampfszenen und andere nicht jugendfreie Inhalte wurden humorvoll, kleinkindgerecht und bildhaft niedergeschrieben. Ob zum Vorlesen für die Kleinen, zum eigenständigen Lesen für die etwas Größeren, oder gar als kleine Lektüre für den Erwachsenen. Jeder kann "Ragnars Reise" für sich entdecken! Gerade diejenigen, die den Hauptroman gelesen haben, werden an der ein oder anderen Stelle schmunzeln. 


Leseprobe


 

Seid gegrüßt, mein Name ist Ragnar, ich lebe im frühen Mittelalter und möchte euch gerne von einer langen Reise auf der Suche nach meinen Eltern erzählen.

Ich wurde im heutigen Skandinavien geboren. Das liegt weit im Norden, wo die Winter kalt und lang sind. In einer dieser frostigen, langen Dunkelheiten habe ich das Licht der Welt erblickt. Das ist etwa 1.200 Jahre her. Somit wurde ich in das Zeitalter der Wikinger hineingeboren. Wir selbst sahen uns gar nicht als Wikinger an, sondern als Bauern oder Händler, die einfach ihr Leben im Einklang mit der Natur genießen wollten. Zugegeben, ab und an gingen viele von uns auch auf Raubzug. In diesem Fall nannten wir uns Wikinger.

Wir glaubten an vielerlei Götter, die uns beschützten und stets zur Seite standen. Die wichtigsten unter ihnen waren Thor und Odin.

Thor ist der Gott des Ackerbaus und des Krieges, der uns mit seinem Hammer Mjölnir vor bösen Riesen beschützt. Meistens wird er von seinem Freund Loki begleitet. Zusammen reisen sie mit Thors Wagen über die Wolken. Dadurch entsteht ein Grollen, das wir Donner nennen. Der Blitz entsteht, wenn der Donnergott seinen Hammer wirft. Bei einem starken Gewitter beteten wir daher immer zu Thor, dass er die Riesen besiegen und unsere Ernte vor zu starkem Regen beschützen möge.

Odin ist der König der Götter. Ihn kenne ich am besten. Denn mit ihm reise ich noch heute als Seele durch die Welt. Wenn du hinaus gehst und ganz leise bist, dann kannst du mich hören. Hörst du den Wind, spürst du ihn, wie er mit deinen Haaren spielt, dir etwas ins Ohr wispert? Das bin ich. Ich bin der Wind, also lausche meiner Geschichte...


 


 

Kapitel 1

 

Damals, vor so langer Zeit, als ich noch ein Kind war, wohnte ich in einem kleinen Dorf nahe dem Meer im heutigen westlichen Schweden. Ich wohnte mit meinen Eltern in einem Haus, das mein Vater aus den Baumstämmen der dichten Wälder unseres Landes gebaut hatte. Wir lebten vom Rüben- und Getreideanbau sowie vom Fischfang und der Jagd auf Hasen, Wildschweine, Rehe und Hirsche.

Vor den Küsten unseres Landes lagen viele kleine und große Inseln, auf denen Robben und Seehunde in der Sonne badeten. Da unsere Lebensweise sehr stark an das Meer, an die Flüsse und an die Seen gebunden war, galt das Schiff als unser wichtigstes Transportmittel. Auf die offene See waren wir allerdings noch nie gefahren, sondern hangelten uns mit unseren Ruderbooten nur an den Küsten entlang.

 

Eines Tages – es war ein schöner, sonniger Sommerabend – kamen reisende Männer aus Norwegen in unser Dorf. Mein Vater Raimund und meine Mutter Idisi begrüßten sie herzlich, luden sie ein, mit uns in unserer Hütte zu essen und zu trinken. Der Anführer der Fremden hieß Ingvarr und als ich ihn zum ersten Mal sah, war ich nicht älter als fünf Jahre. Ingvarr war ein großer Mann. Er trug Kleidung aus feiner Schafwolle und eine große Kriegsaxt an seinem Gürtel. Als Kind war ich sehr beeindruckt gewesen, staunte über die fremden Männer und wollte auch einmal so groß und kräftig werden wie Ingvarr. Mein Vater erklärte mir, dass Ingvarr und seine Männer Krieger seien. Daher trugen sie Rüstungen und Waffen anstatt der Sicheln und Harken, die wir als Bauernfamilie täglich in Gebrauch hatten. Unsere Gäste blieben einige Tage bei uns und halfen auf den Feldern mit, dafür bekamen sie zu essen und zu trinken.

„Möchtest du einmal meine Kriegsaxt halten?“, fragte mich Ingvarr an einem Nachmittag. Er hatte sich mit meinem Vater vor unserer Hütte unterhalten und ich war gerade hinzugetreten, um auszurichten, dass meine Mutter um Hilfe bat.

Ich war ein wenig eingeschüchtert, weil Ingvarr das Wort an mich gerichtet hatte, nickte aber und nahm die Waffe am Stiel entgegen. In dem Moment, als Ingvarr losließ, fiel die Axt zu Boden. Sie war viel zu schwer, ich konnte sie nicht halten.

Ingvarr lachte freundlich.

Auch mein Vater schmunzelte: „Da musst du wohl noch ein wenig kräftiger werden.“ Liebevoll strich er mir mit seiner Hand über den Kopf.

„Möchtest du vielleicht ein wenig mit mir trainieren?“, fragte Ingvarr. „Soll ich dir ein paar Tricks zeigen?“

Mein Vater schob mich sachte auf Ingvarr zu: „Geh ruhig.“

Ingvarr hob zwei Stöcke vom Boden auf. „Fangen wir doch einmal mit diesen beiden Stöcken an. Jeder bekommt einen. Stell dir einfach vor, es wäre eine Axt oder ein Schwert. Was machst du, wenn ich dich mit einem Hieb angreife?“ Sogleich schwang mein Lehrer den Stock gegen mich.

Ich wich nach hinten aus, der Schlag ging ins Leere.

„Gut gemacht“, sagte Ingvarr, wirkte aber nachdenklich. „Wenn du nach hinten ausweichst, dann kann ich leicht nachsetzen und dich mit dem zweiten Hieb treffen. Versuche zur Seite oder sogar nach schräg vorne auszuweichen. Dann stehst du neben mir, während meine Waffe noch im Schwung ist und du kannst selbst zuschlagen.“

Ich nickte und machte mich bereit. Ingvarrs Stock sauste erneut auf mich zu, ich machte einen Schritt nach links, die Waffe meines Gegners ging an mir vorbei und ich hieb selbst mit meinem Stock nach Ingvarr. Der fing meinen Schlag mit der freien Hand natürlich ohne Probleme ab, taumelte aber zurück, tat so, als wäre er besiegt und fiel zu Boden. Ich lachte.

„Das war richtig gut“, lobte mich Ingvarr anerkennend. „Lass uns noch andere Dinge ausprobieren, bevor wir zum Essen gerufen werden.“ So übten wir einige Zeit. Ich hatte großen Spaß und Ingvarr war ein guter Lehrer. Der Tag verging viel zu schnell.

 

Am nächsten Morgen kam mein Vater zu mir: „Ingvarr hat mich gestern Abend gefragt, ob du ihn vielleicht begleiten willst. Er würde dich gerne zu einem Krieger ausbilden! Das wäre eine große Ehre für dich, aber auch für mich!“

Ich bekam große Augen.

„Ich soll ein Krieger werden?“, fragte ich ungläubig. Mein Vater nickte. Ich begann, mir mein Leben als ein Mann, wie Ingvarr einer war, vorzustellen. Ich würde für das Gute in der Welt kämpfen, die Menschen vor dem Bösen beschützen, genau wie der Donnergott Thor.

„Darf ich wirklich ein Krieger werden?“, vergewisserte ich mich noch einmal.

„Aber natürlich!“, antwortete mein Vater. „Allerdings wird deine Ausbildung weit entfernt von hier stattfinden: in einem Dorf an der Westküste Norwegens. Deine Mutter und ich werden dich nicht begleiten können.“

Darüber war ich sehr traurig und dachte den Rest des Tages nach. Ich lief am Strand entlang und beobachtete die Seehunde auf den kleinen Felsen, die aus dem Wasser ragten. Ich schlurfte durch den nassen Sand, auf den die schaumgekrönten Wellen flossen und schließlich setzte ich mich unter eine alte Eiche, in der Hoffnung, der Baum könne mir eine Antwort geben. Sollte ich das Angebot Ingvarrs ausschlagen, um bei meinen Eltern zu bleiben? Ich war jung, fühlte mich aber schon stark genug, ein Krieger zu werden. Ich haderte mit mir, lief mit der untergehenden Sonne nach Hause und legte mich auf meine Bettstatt. Ich träumte von Schwertern und Schilden, kämpfte mit meinem Vater Seite an Seite. Obwohl mir dieser Traum eine Verbundenheit zu meinem Vater offenbarte, festigte sich am Morgen ein klarer Gedanke. Ich wollte ein Krieger werden!