Ragnars Reise


Das Kinderbuch zum Roman


 

Vor vielen Jahren gab es eine weit entfernte Stadt. Es hieß, sie sei aus Gold und Silber und dort herrsche ein Kaiser, großzügig wie sonst keiner.

Meine Eltern zog es in dieses sagenumwobene Land, während ich mich lieber in andere Abenteuer stürzte. Als ich aber zu einem jungen Mann herangereift war, eine bewundernswerte Frau kennengelernt und treue Freunde gefunden hatte, war es an der Zeit, meinen Eltern zu folgen. Wir Gefährten machten uns auf die lange Reise in unbekannte Welten voller Gefahren. Zum Glück begleitete uns ein Zauberrabe. Willst Du wissen, wie uns mein Rabe vor wilden Wikingern, vor tobenden Wasserfällen und vor fremdartigen Reiterkriegern warnte und beschützte? Dann begleite uns auf die Suche nach meinen Eltern und auf die Suche nach der Stadt aus Gold und Silber. 

Ragnars Reise... 

...ist das Kinderbuch zum historischen Wikingerroman "Das Schicksal der Götter". 

Die schöne Geschichte des Hauptromans wurde auf ein kindgerechtes Maß komprimiert und umgeschrieben, so dass auch die ganz Kleinen Spaß dabei haben werden und etwas über das Leben der Wikinger lernen können. Kampfszenen und andere nicht jugendfreie Inhalte wurden humorvoll, kleinkindgerecht und bildhaft niedergeschrieben. Ob zum Vorlesen für die Kleinen, zum eigenständigen Lesen für die etwas Größeren, oder gar als kleine Lektüre für den Erwachsenen. Jeder kann "Ragnars Reise" für sich entdecken! Gerade diejenigen, die den Hauptroman gelesen haben, werden an der ein oder anderen Stelle schmunzeln. 


Leseprobe


Eines Tages kam ich ganz erschöpft von den vielen Übungen nach Hause. Ich öffnete die Tür unserer Hütte und da sah ich das wohl Schönste, was ich jemals in meinem ganzen Leben gesehen hatte. Bithia saß am Feuer und wurde von roten, flackernden Flammen so schön angeleuchtet, dass ich sie hätte stundenlang ansehen können. Sie bemerkte mich und winkte mich zu sich. „Schau mal Ragnar. Edda hat mir erzählt, dass es ganz toll duftet, wenn man getrockneten Beifuß in das Feuer wirft.“ Sie öffnete ihre Hand und ließ einige Samen in die Flammen rieseln. Sofort fing es an zu duften. Ich schaute Bithia in die Augen, wir lächelten uns an und dann bewegte sie ihren Kopf immer näher auf den meinen zu. Mein Herz fing an schneller zu schlagen. Ich wusste nicht, was mit mir geschah, riss die Augen auf. Ohne darüber nachzudenken, bewegte jetzt auch ich meinen Kopf auf Bithia zu. So lange, bis sich unsere Lippen ganz zart berührten. Wir hatten uns geküsst. Zum ersten Mal und es war wunderschön. Von diesem Tage an küssten wir uns häufiger, immer nur heimlich, wenn keiner zusah. Ich konnte den ganzen Tag an nichts anderes mehr denken als an Bithia. Als die ersten Wochen vergangen waren, konnte ich dieses Geheimnis nicht mehr für mich behalten und erzählte Kjell davon.

„Wirklich? Ihr habt euch geküsst?“, fragte er. Ich nickte. „Wie“, stotterte mein bester Freund, „wie… hat es sich denn angefühlt?“

„Es war wunderschön“, antwortete ich.

„Ich treffe mich in den letzten Tagen auch häufig mit einem Mädchen“, gab Kjell verstohlen zu. „Aber geküsst haben wir uns noch nicht“.

„Mit wem?“, wollte ich wissen.

„Sie heißt Norell.“

„Oh, ich kenne sie“, sagte ich. „Sie ist wirklich sehr nett. Magst du sie denn?“

Kjell strahlte. „Ja, sehr!“

„Lass uns doch morgen alle zusammen einen kleinen Ausflug mit den Pferden machen“, schlug ich vor.

„Oh ja, das machen wir“, erwiderte mein bester Freund.

Am nächsten Morgen ritten wir gut gelaunt durch die dichten Eichenwälder. Wir wollten zu einem nahen See, um baden zu gehen. Eine Singdrossel sang, der Wind spielte mit den von der Sonne hell erleuchteten Blättern, als wir ein lautes ‚kruk‘ hörten.

„Was war das?“, fragte Norell.

Kjell lauschte angestrengt in den Wald hinein „Ich weiß es nicht.“

„Schaut mal da. Ein Rabenjunges“, rief Bithia aufgeregt.

„Tatsächlich“, sagte ich. „Es hat die Augen noch geschlossen!“

„Es hat bestimmt Durst und Hunger“, sagte Norell und wie zur Bestätigung gab der kleine Rabe wieder ein ‚kruk‘ von sich.

„Schnell, lasst uns nach Würmern suchen“, schlug ich vor. Wir kümmerten uns um das Rabenjunge und so war der See schnell vergessen. Anstatt baden zu gehen, versorgten wir den Vogel mit Wasser und Fressen. Wir alle sammelten unablässig.

„Ich glaube, Kruk ist satt“, sagte Norell.

„Kruk?“, fragte ich.

„Ja, so nennen wir ihn: Kruk“, wiederholte Norell. Wir alle stimmten zu, ritten nach Hause, ohne natürlich zu vergessen, dem Raben immer wieder Würmer in das aufgerissene Schnäbelchen zu stecken.

Als wir wieder im Dorf angekommen waren, beschlossen wir, dass Kruk den ersten Tag bei Bithia und mir bleiben durfte, denn Norell und Kjell mussten Norells Mutter helfen. Schon in dem Moment, als die beiden uns verließen, öffnete Kruk die Augen und schaute mich an.

Ingvarr war gerade hinter mich getreten. „Jetzt ist er auf dich geprägt.“

„Was heißt das?“, wollte ich wissen.

„Das bedeutet, dass er dich nie wieder verlassen wird, weil du das erste warst, was er in seinem Leben gesehen hat“, erklärte mein Pflegevater.

„Wirklich?“, fragte ich erstaunt. Ingvarr nickte.

„Das ist ja toll“, sagte Bithia und küsste mich.

Ingvarr lächelte uns freundlich aber auch wenig überrascht an. „Seid ihr etwa verliebt?“

Bithia und ich schauten uns ganz schüchtern an und kicherten.

„Das ist doch toll“, rief Edda von der Kochstelle aus und kam auf uns zu. „Ihr braucht euch doch nicht zu schämen. Die Liebe ist etwas sehr Schönes. Das muss man nicht verbergen.“

Wir lächelten und ich küsste Bithia erneut, ganz zart. Edda lachte, nahm uns in den Arm. Kruk setzte sich auf meine Schulter und krächzte mir zustimmend ins Ohr.

Obwohl ich vor lauter Freude sehr abgelenkt war, kam es mir so vor, als würde der Vogel mit mir sprechen wollen. Doch ich verwarf den Gedanken und lenkte meine Aufmerksamkeit wieder meiner Familie zu.

 

Gleich am nächsten Tag liefen wir zu Kjell und Norell, um ihnen die Neuigkeiten zu erzählen. Kruk hatte es sich auf meiner Schulter gemütlich gemacht.

„Bleibt Kruk jetzt wirklich für immer bei dir?“, fragte Kjell.

„Ja, es tut mir leid, aber so hat es Ingvarr erklärt“, antwortete ich.

„Schade“, sagte Norell neidisch. „Aber das macht nichts. Bei dir ist er ja in guten Händen.“

Genau in dem Moment steckte mir Kruk seinen Schnabel ins Ohr und kitzelte mich. Ich lachte.

Kjell schaute überrascht. „Redet er mit dir?“

„Ja natürlich redet er mit mir. Raben sind schließlich sehr besondere Vögel. Odin hat zwei Raben, die ihm alles erzählen, was sich in der Welt der Menschen zuträgt. So erzählt mir Kruk alles, was er in Erfahrung bring.“ Das war natürlich gelogen, aber ich machte mir einen Spaß daraus, meinen Freunden diese Geschichte zu erzählen.

Bithia gluckste und deckte damit meine Lüge schnell wieder auf.

„Ich glaube dir kein Wort“, grinste mein bester Freund.

Mit den Schultern zuckend schaute ich Kjell an. „Wer weiß, vielleicht lerne ich die Sprache meines Raben noch. Dann kann er überall umherfliegen und mir erzählen, was er sieht. Vielleicht ist es ja sogar ein Zauberrabe und kann eure Gedanken lesen. Und die flüstert er mir dann ebenfalls ins Ohr.“

Kjell kicherte und hob sich die Hand vor den Mund. „Er kann ja noch nicht mal fliegen, so jung ist er.“

Meine Freunde lachten und ich war beleidigt. Kruk krächzte laut. „Wie gemein sie zu uns sind“, flüsterte ich ihm zu, konnte mir ein Schmunzeln aber nicht verkneifen.

Als wir uns wieder beruhigt hatten, kam Norell auf ein anderes Thema zu sprechen: „Wir haben uns gestern geküsst!“

Kjell schaute sie beschämt an. „Wieso verrätst du das einfach so?“

„Edda sagt, die Liebe ist etwas sehr Schönes, wir brauchen uns nicht dafür zu schämen“, erklärte Bithia.

„Siehst du, Kjell“, sagte Norell und gab ihrem Freund einen dicken Schmatzer auf den Mund. Kjell wurde ganz rot und diesmal musste ich lachen, während mein bester Freund eingeschüchtert vor uns stand. Schon einige Momente später huschte aber auch ein Lachen über sein Gesicht.

So kam es, dass wir vier nach der anfänglichen Verlegenheit Stolz für unsere Verliebtheit empfanden. Wir machten im ganzen Dorf kein Geheimnis mehr aus unseren Küssen. Bald küssten sich Bithia und ich den ganzen Tag. Gerade dort, wo wir standen und gingen. Nicht nur das. Abends, wenn es dunkel wurde, verkrochen wir uns unter die Felle auf unserer Bettstatt und kuschelten miteinander. Bithia war auch schon alt genug, um ein eigenes Kind zu bekommen und so beschlossen wir, dass wir ein Baby haben wollten. Neun Monate sollte es dauern, bis Bithia das Kind zur Welt bringen würde. In der Zeit brachte ich Kruk das fliegen bei, fütterte ihn, bis er groß und kräftig war und redete mit ihm, als könnte er mich verstehen. Bithia lachte mich dafür aus. Eines Tages jedoch, meine Freunde und ich waren gerade im Wald, kam Kruk von einem Ausflug zu mir zurück und setzte sich auf meine Schulter. Anstatt zu krächzen und mich wie so oft im Ohr zu kitzeln, gab er einen Laut von sich, der sich eigenartig anhörte. Fast so, als wolle er unsere Sprache sprechen.

Wir waren alle sehr überrascht, schauten uns still schweigend und mit großen Augen an. Noch einmal machte der Vogel dieses seltsame Geräusch.

„Er spricht“, sagte ich.

Kjell stimmte mir zu. „Mir kommt es auch so vor, als wolle er es versuchen!“ In dem Moment krächzte Kruk erneut ein undeutliches: „Krogel.“

Bithia legte die Stirn in Falten: „Was soll das nur bedeuten?“

Ich dachte nach. „Vielleicht Vogel?“

Als ich das Wort ausgesprochen hatte, kam ein riesiger Adler auf uns zugeflogen und sauste so dicht über unsere Köpfe hinweg, dass ich die Luft des Flügelschlags auf meiner Wange spürte. Ich staunte: „Kruk hat uns vor dem Adler gewarnt“, sagte ich.

„Aber warum?“, fragte Bithia. „Der Adler wollte uns doch gar nichts Böses!“

„Für einen jungen Raben ist ein so großer Raubvogel schon gefährlich. Vermutlich aber wollte uns Kruk nur zeigen, dass er sprechen kann“, riet ich.

Kjell mischte sich ein: „Auf jeden Fall ist er ein sehr kluger Vogel. Vielleicht hattest du damals doch Recht gehabt. Er ist ein Zauberrabe und wenn er alt genug ist, wird er dir erzählen, was er in der Welt entdeckt.“

Während wir darüber rätselten, was Kruk für Geheimnisse in sich trug, saß dieser auf meiner Schulter und putzte sich, als wäre nie etwas geschehen.

Gedankenverloren liefen wir nach Hause und die nächsten Monate verbrachte ich viel Zeit damit, meinem Raben das Sprechen beizubringen. Er konnte zwar einige Worte imitieren, dass er sie wirklich verstand, bezweifelte ich. Ein solch aufregendes Ereignis wie im Wald trug sich erst recht nicht mehr zu. Ich fragte mich, ob es nicht einfach Zufall gewesen war.

Bis zu einem ganz besonderen Tag. Auf den Feldern übte ich mit Kjell und Ingvarr den Kampf mit Speer und Schild. Kruk wartete auf einem nahen Baum. Er unternahm viele Ausflüge, fing sich Würmer und andere Insekten. Er war ein genügsamer Vogel und schien ein eigenständiges Leben zu führen, wäre er nicht immer wieder zu mir zurückgekehrt.

Gerade stieß ich mit meinem Übungsspeer nach Kjell, der geschickt auswich, als Kruk wie aus dem Nichts aufgeregt zu mir geflattert kam. Er landete auf meinem Kopf und krächzte: „Krind, Krind.“

Ich wusste nicht, was das bedeuten sollte, schaute fragend zu Ingvarr und Kjell, die aber nur ihre Schultern hoben.

Kruk krallte sich in meine Haare und flatterte aufgeregt mit den Flügeln.

„Er will dich wegtragen“, sagte Kjell.

„Krind, Krind“, krächzte Kruk.

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. „Kind. Das will er sagen. Bestimmt bekommt Bithia unser Kind. Ich muss schnell zurück.“ Schon rannte ich über die Wiese, meinem Raben hinterher, dicht gefolgt von Ingvarr und Kjell, bis wir endlich meine Hütte erreichten. Tatsächlich lag Bithia auf unsere Bettstatt. Edda war bei ihr und in den Armen hielt meine Freundin ein kleines Bündel. Überglücklich strahlte ich Bithia an. „Du hast unser Kind geboren.“

Bithia lächelte. Schweißperlen standen ihr auf der Stirn. Sie war erschöpft, strahlte aber vor lauter Glück: „Es ist ein Mädchen.“

Ich setzte mich zu ihr, betrachtete den kleinen Kopf und weinte vor lauter Freude.

„Woher wusstest du, dass unsere Tochter zur Welt kommt?“, wollte Bithia wissen.

„Kruk“, antwortete ich. „Er hat es mir gesagt. Wie damals im Wald, als er uns vom Adler erzählte. Er wusste es irgendwoher und hat es mir gesagt.“ Wir alle schauten zu dem Raben, der auf einem Holzbalken saß und laut krächzte: „Krind, Krind“.

„Es ist wirklich ein Zauberrabe“, bemerkte Ingvarr.

Edda zog ihren Mann mit sich Richtung Ausgang. „Jetzt lassen wir die beiden allein. Bithia muss sich erholen.“ Auch Kjell folgte meinen Pflegeeltern, ließ uns allein und sie alle kamen am folgenden Tag nur, um uns etwas zu essen zu bringen. Wir verbrachten die Zeit mit unserer Kleinen, waren glücklich und zufrieden.

 

„Wie nennt ihr sie denn?“, fragte Kjell, der uns mit Norell besuchen kam, die unsere kleine Tochter zum ersten Mal bestaunen durfte.

„Wir wollten sie nach meiner Pflegemutter Edda nennen“, sagte ich.

„Wir mögen sie beide sehr gerne und außerdem ist es ein schöner Name“, ergänzte Bithia.

„Ja, da habt ihr Recht“, sagte Norell. „Das wird Edda bestimmt freuen.“

Kruk krächzte zustimmend.

Unsere Tochter war ein hübsches Kind und kam ganz nach ihrer Mutter. Sie hatte rotblonde Haare und ein aufgewecktes Wesen. Die folgenden Monate verbrachte ich immer weniger Zeit mit dem Trainieren. Viel lieber wollte ich bei Bithia und der kleinen Edda sein. Auch Kjell und Norell waren häufig bei uns. Außerdem bekamen wir noch weiteren Besuch. Zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein konnten, kamen zu uns. Der Kleinere von ihnen hieß Baschi. Er hatte einen dichten, langen, schwarzen Bart und sah damit aus wie ein Zwerg. Sein Freund hieß Kogg. Er war riesig und hatte keine Haare auf dem Kopf. Irgendwann waren sie ihm einfach ausgegangen. Mit seiner großen Gestalt und dem haarlosen Kopf sah er ein wenig furchteinflößend aus. Aber er hatte ein gutes Gemüt und mochte unsere kleine Edda vom ersten Tag an am allerliebsten. Da es Baschi und Kogg so gut in unserem Dorf gefiel und wir alle so nett zu ihnen waren, bauten sie sich ein eigenes Haus und blieben bei uns. So verbrachten Bithia und Edda, Kjell, Norell, Baschi, Kogg und ich mit Kruk an unserer Seite die Tage in Glück und Freude, bis etwas ganz Schlimmes passierte. Wir saßen alle gemütlich zusammen in unserer Hütte, als Kruk plötzlich ganz aufgeregt war. Er flatterte hin und her, flog wild durch die ganze Hütte, setzte sich vor die Tür und hackte mit seinem Schnabel dagegen.

Nachdenklich am Kopf kratzend stand ich auf und ging zu ihm. „Was hat er nur?“

Kjell folgte mir. „Lass uns draußen nachschauen gehen. Vielleicht ist etwas passiert?“

Ich öffnete die Tür und spähte hinaus. „Da kommt ein Mann. Der sieht aber böse aus. Was will er nur hier? Er kommt direkt auf uns zu.“

Erschrocken schloss ich die Tür und schaute auf meine Gefährten. Die Angst stand Bithia ins Gesicht geschrieben. „Bitte gehe nicht da raus.“

„Doch, genau das müssen wir tun“, bestimmte ich. „Wir müssen herausfinden, was er im Schilde führt.“

Ich nahm all meinen Mut zusammen und ging nach draußen. Kruk folgte mir und auch meine Freunde kamen hinter mich.

Bedrohlich stand der fremde, böse Mann einige Schritte vor uns und schrie mich an: „Gib mir deine Frau!“

„Meine Frau?“, fragte ich schockiert.

„Jawohl, gib mir sofort deine Frau.“

„Nein, das werde ich nicht tun. Sie will auch gar nicht zu dir, sondern sie will bei mir bleiben“, entgegnete ich.

Der Fremde rannte plötzlich auf uns zu. „Dann werde ich sie mir einfach holen!“

Zum Glück hatte Ingvarr uns alle zu guten Kriegern ausgebildet. Denn der böse Mann hatte eine Axt dabei. Als ich die Waffe sah, zog ich mein Schwert aus der Scheide und kämpfte mit ihm. Kruk flog über unsere Köpfe und krächzte laut. Ich kam ganz schön ins Schwitzen, Bithia war Angst und Bange um mich, die kleine Edda weinte. Aber ich konnte der Waffe meines Gegners immer geschickt ausweichen. Als meine Kräfte nachließen, flatterte Kruk auf den Kopf des Angreifers und zerzauste ihm die Haare. „He“, schrie der Mann auf und versuchte den Raben abzuschütteln. Ich nutzte die Gelegenheit und schlug dem Fremden mein Schwert auf den Hintern. Er jaulte auf, stolperte kurz, fing sich wieder und griff mich erneut an.